Einbrennte Hund, Beamtenforelle und Krokod├╝ ­č玭čç╣

Nein, ich habe keinen Hund und ich hatte auch nie einen. Folglich geht mir auch keiner ab und in der Nachbarschaft laufen auch noch alle herum.­čśů Dennoch habe ich heute einen Hund „einbrennt“. Alles klar? Wenn dir das etwas sagt oder du das vielleicht sogar schon gegessen hast, dann lebst du mit gro├čer Wahrscheinlichkeit in Wien. Mir, als Vertreter Rest-├ľsterreichs­čśë, war das alles v├Âllig unbekannt.

Einbrennte Hund, Beamtenforelle und Krokod├╝ ­č玭čç╣

Einbrennte Hund, Beamtenforelle und Krokod├╝ ­č玭čç╣

Nun, das Gericht hat, wenig ├╝berraschend, nat├╝rlich nichts mit Hundefleisch zu tun. Alle Tiersch├╝tzer k├Ânnen nun auch entspannt weiterlesen. Die „Einbrenn“ oder das „Einbrennte“ ist schlicht und einfach eine Mehlschwitze und der „Hund“ sind die Erd├Ąpfel aka Kartoffeln, die noch mit einer Mischung aus Essig- und Salzgurken verfeinert werden. Wie dir sicher auch aufgefallen ist, sieht man auf meinem Teller weder einer Forelle und schon gar kein „Krokod├╝“ aka Krokodil. Da w├Ąre einmal eine „Knacker“ aka Knackwurst, eine der Extrawurst ├Ąhnliche Br├╝hwurst. Eine gebratene „Knacker“ ist in Wien (├ľsterreich?) auch unter dem Namen „Beamtenforelle“ bekannt. Der Begriff sollte auf die bescheidenen Eink├╝nfte der Beamten hinweisen, die sich keine „echte“ Forelle leisten konnten. Die „Knacker“ hat dabei das Salzstangerl f├╝r diese scherzhafte Bezeichnung abgel├Âst. Bleibt noch das „Krokod├╝“, das wohl auf den Wiener-W├╝rstlstand-Jargon zur├╝ckzuf├╝hren ist und einfach eine f├Ącherartig aufgeschnittene Salzgurke ist. Wo nun mehr oder weniger klar ist, was ich heute gekocht habe, geht’s endlich los.


Einbrennte Hund, Beamtenforelle und Krokod├╝ ­č玭čç╣

Tags: #einnudelsiebbloggt #kulinarischquerdurchoesterreich

Zutaten (1 Portionen):
    Einbrennte Hund
    • 300 g Erd├Ąpfel, festkochend
    • 1 Zwiebel, mittelgro├č
    • 3 EL Butter
    • 1 EL Mehl, glatt
    • 300 ml Gem├╝sebr├╝he (oder auch etwas mehr)
    • 100 ml Essiggurkerlsud
    • 1 Lorbeerblatt, frisch
    • 2 Essiggurkerl
    • 2 Salzgurkerl
    • Salz
    • Pfeffer
    • Estragon, frisch (oder Dill)
    Zubereitung:
    • Die Erd├Ąpfel in Wasser kochen, sch├Ąlen und in Scheiben schneiden.
    • Die Zwiebel sch├Ąlen, fein w├╝rfeln und in einem Topf mit der Butter bei mittlerer Hitze farblos anschwitzen. (10 Min.)
    • Das Mehl dar├╝ber streuen (stauben), unterr├╝hren und kurz mitr├Âsten bis sich alles zu einer hellen „Einbrenn“ vermischt.
    • Mit der Gem├╝sebr├╝he abl├Âschen, glatt r├╝hren und den Essiggurkerlsud ebenfalls unterr├╝hren.
    • Die „Einbrenn“ mit dem Stabmixer kurz zu einer gl├Ątten s├Ąmigen Sauce p├╝rieren. (optional, aber empfohlen!)
    • Ein Lorbeerblatt in die Sauce r├╝hren, mit Salz und Pfeffer w├╝rzen, bei Bedarf noch etwas Br├╝he hinzuf├╝gen und zirka 5 Minuten k├Âcheln lassen, bis die gew├╝nschte Konsistenz erreicht ist.
    • Den Estragon fein schneiden.
    • Die Gurkerl in Scheiben schneiden.
    • Die Erd├Ąpfel, die Gurkerl und den Estragon hinzuf├╝gen und in der Sauce zirka zehn Minuten bei geringer Hitze k├Âcheln lassen.
    • Die „Knacker“ enth├Ąuten, halbieren, rautenf├Ârmig einschneiden und in einer Pfanne mit wenig ├ľl auf beiden Seiten goldbraun braten.
    • Die Salzgurke f├Ącherartig aufschneiden.
    • Die „Einbrennten Hund“ in einen tiefen Teller geben, die „Beamtenforelle“ darauflegen und mit dem „Krokod├╝“ und etwas Estragon garnieren und servieren.


    ­čĺí Wenn man die „Einbrenn“ p├╝riert, dann wird sie durch die Zwiebeln s├Ąmiger. Man ben├Âtigt dann auch weniger Mehl und die Sauce wird „leichter“.

    ­čĺí Die „Einbrenn“ sollte nicht zu dick werden. Die „Hund“ d├╝rfen ruhig schwimmen!­čśë
    .

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    Einbrennte Hund, Beamtenforelle und Krokod├╝ ­č玭čç╣

    Einbrennte Hund, Beamtenforelle und Krokod├╝ ­č玭čç╣

    „Einbrennte Hund“ waren ein typisches ÔÇ×Arme-Leute-EssenÔÇť und die ideale „Restl“-Verwertung. Nicht selten wurden Wurst- und Bratenreste f├╝r eine einfache, s├Ąttigende Mahlzeit mitgekocht. Wenn man dem Internet trauen kann, dann wurden „Einbrennte Hund“ auch oft aus den Erd├Ąpfelsalat-Resten vom Sonntag gemacht. Alles muss ich aber nicht ausprobieren.­čśů

    Mir waren sowohl das Gericht, als auch die Begriffe total unbekannt und ich musste das alles erst einmal „googeln“, nachdem es mir auf Instagram untergekommen ist. Wenn du noch mehr ├╝ber die Eigenheiten der Wiener Sprache erfahren willst, dann kann ich dir den Artikel „11 Wiener Gerichte mit besonders skurrilem Namen“ sehr ans Herz legen.

    Vielleicht sollte ich meine „Kulinarische Weltreise“ manchmal auch nur auf die Heimat beschr├Ąnken und hier eine „Kulinarische ├ľsterreich Rundreise“ veranstalten. Ich bin mir sicher, dass ich da noch ganz viel entdecken und lernen k├Ânnte. Immerhin besteht ├ľsterreich kulinarisch nicht nur aus Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn­čśť und es gibt sicher einige unbekannte Schmankerl, die darauf warten entdeckt zu werden.

    Wenn dir dazu spontan ein Gericht einf├Ąllt, dann lass es mich bitte wissen!­čÖĆ


    Einen Guten!


    nudelsieb

    4 Gedanken zu “Einbrennte Hund, Beamtenforelle und Krokod├╝ ­č玭čç╣

    1. Oda schreibt:

      Ich habe ja immer gro├čen Spa├č an sprachlichen Feinheiten und bin bekannterma├čen auch eine gro├če Freundin der ├Âsterreichischen Begrifflichkeiten! Und der ├Âsterreichischen K├╝che auch! Wenn dann beides gemeinsam daherkommt, bin ich also besonders begeistert! ­čśü Von daher bin ich sehr bereit f├╝r eine ├Âsterreichische Rundreise voller Gerichte mit lustigen Namen! ­čĄŚ
      Meine kulinarische Liebe zu Deinem Land begann im Alter von 10 Jahren (glaube ich), als meine Mutter sich durchsetzte und wir statt ans Meer mal in die Berge fuhren. Dort gabÔÇÖs im Hotelrestaurant in Vorderstoder Palatschinke (ohne ÔÇ×nÔÇť hinten, richtig?) die mein Herz im Sturm erobert haben! Wenn Du mir daf├╝r bitte mal ein tolles Rezept liefern k├Ânntest? Mit Schokosauce bitte! ­čĄŚ

      Gef├Ąllt 1 Person

      • Ein Nudelsieb bloggt schreibt:

        Ja, es ist schon erstaunlich, wie manche Gerichte regional unterschiedlich zu ihrem Namen kommen. Dabei sind wir ja noch ein vergleichsweise (sehr) kleines Land. Mit Palatschinke(n) (warum ohne „n“ w├Ąre mir jetzt nicht bekannt­čĄĚÔÇŹÔÖÇ´ŞĆ) trittst Du bei mir offene T├╝ren ein. Deinen Wunsch kann ich also ganz leicht erf├╝llen und da f├Ąllt mir sofort eine spezielle Version, nat├╝rlich mit Schokosauce, ein.­čśë

        Gef├Ąllt mir

      • Ein Nudelsieb bloggt schreibt:

        Danke Friederike f├╝r den Vorschlag und ich habe mir dein Rezept dazu auch gleich angesehen. Ich kannte weder das Gericht noch den Namen. Obwohl ich quasi ein „Allesfresser“ bin, muss ich mir aber ├╝berlegen, ob ich mir das Original mit Niere antue. Das ist so ein kleines Kindheitstrauma – Niere und Hirn mit Ei.­čÖł­čśů
        Liebe Gr├╝├če
        G├╝nter

        Gef├Ąllt mir

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